Zu Gast bei: Robens Kerkerbräu

Wir machen heute mal einen kleinen Ausflug, raus aus Berlin, ab nach Niedersachsen. Genauer gesagt in die nähe von Hannover, in einen kleinen Ort namens Eldagsen. Hier brauen Jens Hölzel und Robert Kathöwer bereits seit 2005 im eigenen Keller Bier. Da ich einige der Biere schon kannte und sehr gut fand, wollte ich mir natürlich auch mal ansehen, wo und wie denn dieses Bier gebraut wird. Netterweise hat sich Robert auch etwas Zeit genommen uns durch die Räume zu führen, Jens war leider nicht da. Wirklich viele Räume gibt es aber eigentlich gar nicht – Verkaufsraum und Brauanlage teilen sich den Hauptteil des Kellers, nur der Kühlraum ist natürlich ein extra Raum. Direkt beim betreten liegt einem dadurch der Geruch von frischem Bier in der Nase – so muss das sein! 🙂

Am Eingang liegt dann direkt der Tresen samt Zapfhähnen, gegenüber vom Tresen ein riesiger uriger Holztisch mit dazu passender Sitzbank. Wenn man die Brauanlagen im Hintergrund ausblendet könnte man meinen, man sitzt in einem alten Wirtshaus – ich finds gemütlich. Es muss ja nicht immer alles topmodern durchgestylt sein. Zur Begrüßung gabs dann auch erstmal einen frisch gezapften Zwickel. Geschmacklich war der aber schwer einzuschätzen, denn die Aromen des Brauprozesses nebenan überlagerten einfach alles. Aber dafür steht ja eine Flasche davon in meinem Kühlschrank 😉

Weiter gings mit dem „Sudhaus“, wobei ich es ob der Größe und Offenheit fast gar nicht so nennen möchte. Vornan stand direkt der Läuterbottich, durch den grad ein neues Weizenbier lief. Direkt daneben der neue Braukessel mit 500 Litern Volumen, der allerdings noch nicht in Betrieb ist. Derzeit wird noch mit einem kleineren 250 Liter Kessel gebraut, gegen Ende des Jahres soll dann der neue in Betrieb genommen werden. Wobei ich mich immer noch Frage, wie sie dieses Monstrum durch die kleine Kellertür bekommen haben.

Trotz der recht kleinen Anlage haben die beiden es 2013 auf insgesamt rund 20.000 Liter Gesamtvolumen geschafft und dabei 27 verschiedene Sorten gebraut. Eine ordentliche Leistung, wenn man bedenkt dass sie das Brauen nicht hauptberuflich betreiben. Dieses Jahr werden es voraussichtlich um die 24.000 Liter Gesamtvolumen, wenn es so weiter läuft wie bislang. Sobald der größere Kessel in Betrieb ist, dürfte sich das Volumen für 2015 noch einmal sehr deutlich erhöhen. Wer jetzt denkt auf dem Land braut man eher konservative Biere, der irrt sich: Unter den 27 Sorten waren sehr interessante Kreationen, unter anderem auch ein Milk Stout, ein IPA mit 200 IBU, oder auch mein bisheriger Favorit, das Belgian Quad: Ein Tripple Gran Cru nach belgischer Brauart mit satten 13,5% Vol. Das Rezeptbuch war auf jeden Fall sehr gut gefüllt.
Schön war aber auch zu sehen, mit welcher Freude Robert am Kessel stand oder frisches Bier gezapft hat. Die Freude am Bier und am brauen selbst ist denke ich das, was einen guten Brauer ausmacht.

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Aber weiter gehts ins Heiligtum – dem Kühlraum. Erstmal sieht man nur ein großes Regal, indem allerlei verschiedene Biersorten stehen. Das ist der Vorrat für die Tastings die auch regelmäßig veranstaltet werden.
Direkt daneben stehen dann die Gärtanks, neun Stück an der Zahl. Aktuell reifen darin z.B. ein Blueberry IPA, ein Pumpkin Ale oder auch das Erntebier, ein Oktoberfestbier. Schade dass das Pumpkin und das Blueberry noch nicht fertig waren, die hätte ich ja zu gerne schon probiert. Blöderweise gibts die Biere nämlich bislang ausschließlich vor Ort im Keller zu kaufen. Gut, wenn man dort wen kennt, der dann entsprechend shoppen gehen kann 😉

Apropos verkaufen. Mit dem größeren Braukessel und dem damit einhergehenden größeren Ausstoß ist auch geplant, die Abfüllgröße von 1 Liter Falschen auf die üblichen 0,33 Liter Flaschen umzustellen. Diese sollen dann auch via Distributoren in Onlineshops verkauft werden. Also auch in Berlin können wir dann schon Bald das Bier bestellen. Der einzige Nachteil daran: Sobald ein Zwischenhändler ins Spiel kommt, steigen natürlich auch die Preise an. Bislang sind die Preise mehr als Fair mit 3,20 Euro für 1L Kerker Gold, das Hausbier der beiden. Die anderen Sorten liegen in der Regel aber auch nur leicht darüber. Aber letztlich zahlt man für ein gutes Bier ja auch gerne mal etwas mehr, oder?

Eins darf ich euch noch verraten: Nächstes Jahr steht das 10-Jährige Jubiläum an und dem entsprechend wird natürlich auch gefeiert. Es wird dazu ein Barrel Aged Bier geben – was genau für eins und in was für Fässern es gelagert wird steht aber noch nicht fest. Ich bin da auf jeden Fall mal gespannt.

Mir hats auf jeden Fall Spaß gemacht, mir mal die Brauerei anzusehen – und ich bin sicher auch nicht das letzte mal dort gewesen 😉
Das große Tasting der Biersorten folgt noch, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass es gut werden wird!

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