Was ist ‚Craft Beer‘ überhaupt?

Diese Frage wird mir sehr häufig im privaten Umfeld gestellt. Zusammen mit Fragen wo denn überhaupt der Unterschied sei – Bier schmeckt doch immer gleich. Mit der Erklärung komme ich meistens nicht weiter, als zu dem Punkt, dass der Trend aus Amerika stammt bzw. dort erst richtig groß wurde. Denn bei der Kombination aus „Bier“ und „Amerika“ schalten sehr viele deutsche in den „Ami-Bier ist doch Spülwasser! Igitt!“-Modus. Nicht ganz unbegründet wenn man sich die großen Amerikanischen Brauereien anschaut: Anheuser-Busch (Budweiser uvm.), Miller, Coors, usw. Kaum ein Bier aus diesen Buden ist trinkbar. Zu Süß, zu wässrig, zu wenig Geschmack (wenn überhaupt welcher vorhanden ist 😉 ).

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Craft Beer ist in der Hinsicht aber komplett anders, wurde allerdings auch von den großen Brauereien „inspiriert“. Viele Bierfans und Biertrinker hatten einfach keine Lust mehr auf die Einheitsplörre aus dem Supermarkt, woraufhin die Leute anfingen ihr eigenes Bier zu brauen. Besonders Einwanderer aus Europa trugen dann dazu bei, dass daraus irgendwann Micro-Brauereien entstanden, also kleine autarke Braureien. Wobei klein hier relativ ist, wenn man sich die Maßstäbe vor Augen hält. Laut amerikanischer Definition ist eine Micro-Brewery eine Brauerei, die eine Jahresproduktion von weniger als  9.540.000 Hektolitern (954.000.000 Liter!) herstellt. Zum Vergleich: Die gesamte Radeberger Gruppe (u.a. Berliner Pilsener, Berliner Kindl, Radeberger, Clausthaler, uvm.) lag im Jahr 2013 bei rund 13 Mio. Hektolitern.
Im Mittelpunkt stand Bei Craft Beer die Rückbesinnung auf das Handwerk statt der Massenproduktion. Bier sollte wieder ursprünglicher, aromatischer und vielfältiger werden.
Das ganze passierte in Amerika bereits vor Jahren, noch Jahre bevor wir in Deutschland davon etwas mitbekamen.

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Doch was ist nun wirklich anders daran? Eigentlich alles. Statt Industrie-Hopfen und Gerstenmalz wird viel mit unterschiedlichsten Hopfen- und Malzsorten herumprobiert. Viel dreht sich darum, ständig neue Geschmäcker und Aromen zu erhalten, sich einfach abzusetzen vom Einheitsbier.

Wobei man auch ganz klar sagen muss, dass auch große Brauereien Craft Beer herstellen (können). Das sind in der Regel dann Spezialbiere, die nur für kurze Zeit bzw. in begrenzter Menge verfügbar sind. Gute Beispiele sind hier z.B. Köstritzer mit ihren „Meisterwerken“ oder Paulaner mit der „Braumeister-Edition“ Serie, bei der in regelmäßigen Abständen unterschiedliche Sonderbiere von unterschiedlichen Braumeistern auf den Markt kommen. Derartige Sonderserien werden uns zukünftig sicher auch immer öfter begegnen, denn der Trend zum Craft Beer wird in Deutschland immer stärker. Das wollen sich die großen nicht entgehen lassen.

Der Kern des ganzen beruht ja letztlich darauf, die Biervielfalt zu erweitern, sein Bier einzigartig zu machen und die Braukunst dabei immer weiter zu verfeinern. Wer denkt, Bier gibt es schon so lange, dass sich da ja nichts mehr entwickeln kann, liegt definitiv falsch. Immer neue Biersorten und -arten entstehen, neue Hopfen- oder Malzsorten werden entwickelt bzw. gezüchtet und so weiter. Auf das Deutsche Reinheitsgebot wird hierbei nicht immer geachtet. Viele Brauer vergären auch Früchte oder gar Tannennadeln, um so noch mehr Aromen unter zu bringen.

Aroma-Malz "Cara Munich"

Aroma-Malz „Cara Munich“

Photo by Lauren McLaughlin via. Yelp/Flickr CC BY-NC-ND 2.0

Ein weiterer Unterschied ist, dass viele Craft-Biere unfiltriert und einige auch nicht pasteurisiert sind. Dadurch bleiben die Aromen besser erhalten. Auch gibt es einige Biere die in der Flasche fermentiert werden oder eben auch Frischbiere. Frischbier ist allerdings etwas schwerer zu bekommen, da es nur gekühlt gelagert werden kann und auch dann nicht allzu lange hält – die Gärung läuft immer weiter in der Flasche und die Qualität nimmt mit der Zeit einfach ab. Wenn man aber die Möglichkeit hat ein Frischbier zu bekommen, sollte man zuschlagen.

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Aromahopfen „Cascade“ – der wohl bekannteste Aromahopfen

Photo by Lauren McLaughlin via. Yelp/Flickr CC BY-NC-ND 2.0

Insgesamt ist es schwer, hier eine allgemein gültige Formel für Craft Beer aufzustellen – denn die gibt es nicht. Craft Beer kann auch einfach ein vermeintlich einfaches Pils sein. Oder ein Weißbier. Wichtig ist nur das Handwerk an sich, neues zu probieren, statt sich an dem seit Jahrzehnten festgelegten Rezept der Großbrauerei festzuklammern. Und natürlich die Zutaten: Hopfen- oder Malzextrakte wird man hier vergeblich suchen, auch sind Zusatzstoffe um den Bierschaum stabiler zu machen eher unüblich. Randomfact für die Veganer unter unseren Lesern: Einige Biere sind aufgrund der eingesetzten Zusatzstoffe nicht Vegan. Bekanntestes Beispiel ist hier Guinness, dem zur Klärung Hausenblasen beigesetzt werden.

Ansonsten ist Craft Beer an sich auch nur Bier. Aber eben doch anders 🙂 Also jedes Bier kann Craft sein – muss aber nicht.

Und nun zu euch: Habt ihr ein Lieblings (Craft-) Bier? Meins ist ja aktuell immer noch das Imperial Black IPA von Camba Bavaria

Top Image by Alyson Hurt under CC BY-NC 2.0

2 comments

  • Marco Kaiser

    Angesichts der Tatsache, dass ich den Begriff Craft Beer bei dir das erste Mal gelesen habe, kann ich da leider kein Lieblings Craft Beer nennen. Bei normalen Bieren sind es aber definitiv Guinness (vom Fass, aus dem Glas schmeckt es nicht) und Köstritzer Schwarzbier.
    Kannst mir bei Gelegenheit ja mal einen Schuppen zeigen, in dem du mir gutes Craft Beer präsentieren kannst 😀

    • Hannes

      Na zum Beispiel das Hopfenreich ist dafür sehr gut geeignet 🙂 Haben auch meist ein paar gute Stouts, die gehen dann auch etwas in die Richtung von Guinness. Gibt aber noch jede Menge weitere gute Läden, Bars leider (noch) nicht. Da kommen auch noch Beiträge zu 😉
      Nebenbei: Guinness musst du wenn dann aus der Dose trinken, wenn kein Fass in der Nähe ist. In den Dosen ist eine kleine Stickstoff-Kapsel, die beim öffnen bricht. Damit schmeckt es fast wie vom Fass, denn beim zapfen wird neben CO2 auch Stickstoff zugesetzt. In den Flaschen ist diese Kapsel nicht drin, daher schmeckt es anders.

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