Tastings der Berlin Beer Academy – Ein Erlebnisbericht

Über die Berlin Beer Academy hatten wir ja bereits das eine oder andere Mal geschrieben. Jetzt sind wir aber auch endlich mal dazu gekommen, den Worten Taten folgen zu lassen und an zwei ausführlichen Tastings teilzunehmen. Denn man lernt ja bekanntlich nie aus und gerade in einem recht neuen Bereich wie Craft Bier wollen wir natürlich so viel Wissen mitnehmen, wie es nur geht.

Im Rahmen der Biermeile standen zwei Tastings an, die sich auch thematisch direkt auf die Biermeile und den teilnehmenden Brauereien bezogen. Am Donnerstag den 31.07.2014 stand erstmal eine „Biermeile-Sneak-Preview“ an, direkt in den Räumen der Academy. Mit vor Ort waren auch die Brauer, die sich für die zu verkostenden Biere verantwortlich zeigen: Claudio Verullo von Birra Amiata aus Italien, Giovanni Campari von Birrificio Del Ducato ebenfalls aus Italien sowie Florian Kuplent von Urban Chestnut aus den USA – ursprünglich stammt Florian aber aus Deutschland und hat auch hier seinen Braumeister gemacht. Das war für mich auch einer der interessantesten Aspekte, die Brauer einmal Live zu erleben und direkt von der Quelle zu hören, was sie so antreibt beim Entwickeln neuer Sorten.

Alle drei waren sich hier sehr einig, dass es vor allem in erster Linie um die Ausgewogenheit des Bieres geht. An manchen Rezepten wurde daher mehrere Jahre lang gefeilt, bis es endlich fertig war. Aber auch die regionalität steht im Mittelpunkt, so dass die meisten Biersorten aus Zutaten entstehen, die in direkter Umgebung der Brauerei anzufinden sind.

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Aber neben dem Probieren neuer Sorten ist auch das erkennen der Aromen ein sehr großer Punkt. Schön ist dabei, dass einem hier nicht einfach die Aromen heruntergeleiert werden, damit man es mal gehört hat, sondern es bleibt immer auch ausreichend Zeit das Bier zuvor selbst zu kosten und sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen. Einige Aromen hätte ich z.B. nicht erkannt, obwohl ich sie geschmeckt habe. Die Erklärungen helfen dabei, sein eigenes Geschmacksempfinden mal wieder etwas aufzupolieren. Dinge die man sonst eher selten bis gar nicht isst, erkennt man sonst auch sehr schwer. Oder hättet ihr gewusst, woran ihr eine torfige, erdige Note erkennt? 😉
Gerade beim erkennen der verschiedenen Aromen hat es mir daher sehr geholfen – und das kommt ja am Ende ja irgendwie auch euch zugute.

Zum Bier wurde auch etwas Brot und Wasser gereicht, um zwischendurch den Geschmack des vorherigen Bieres etwas zu neutralisieren.

Die Auswahl der Biere war gut getroffen und vor allem auch von der Reihenfolge her sehr treffend. Es fing an mit leichten, sommerlichen Bieren und endete mit einem extrem kräftigen und aromatischen Imperial Stout. Natürlich haben wir auch für euch eine Übersicht des Abends:

1. Wedding Rauch – Rauchmärzen von Del Ducato, 5,2 Vol.-%
2. Bastarda Rossa – Kastanienbier von Birra Amiata, 6 Vol.-% – gebraut mit 20% Kastanien
3. Winged Nut – Weizenbier von Urban Chestnut, 5,4 Vol.-%
4. Crocus Saison – Saison von Birra Amiata 7 Vol.-% – mit echtem Safran!
5. Hopfen – IPA von Urban Chestnut, 6,1 Vol.-%, 45 IBU (International Bitter Units)
6. STLIPA – Double IPA von Urban Chestnut, 8 Vol.-%, 60 IBU
7. Drago Della Selva – Rauchbier von Birra Amiata, 8 Vol.-% – mit schottischem Torfmalz gebraut
8. Verdi Anniversario 200 – Imperial Stout, 8 Vol.-% – 12 Monate im Whiskeyfass gereift

Unter den Links zum Bier findet ihr auch meine Notizen vom Tasting dazu.
Meine persönlichen Favoriten? Ganz klar das Drago Della Selva und das Crocus Saison. Beide waren einfach einzigartig im Geschmack und Aroma. Rauchbier ist sonst eigentlich nicht mein Fall, das Drago passt aber auch nicht in die klassische Schublade der Rauchbiere ala Schlenkerla. Beim Einschenken schon die erste Überraschung: Es ist nicht dunkel, sondern Goldgelb. Der Geruch der einem entgegen schwappt kontert aber direkt mit einer Mischung aus Torf- und Raucharomen. Vermischen sich die Aromen, hat man das Gefühl in einem Schafstall zu stehen. Geschmacklich dagegen haut es einen wirklich um. So viele Aromen und doch so ausgeglichen – einfach ein hervorragendes Bier.
Beim Crocus Saison überzeugt dagegen der Geschmack nach frischem Safran. Das hat man selten, vor allem da er sich einfach sehr gut in das Bier einfügt. Vom Geruch her erinnerte es mich direkt an Paella. 

Sehr helles Rauchbier: Drago Della Selva

Sehr helles Rauchbier: Drago Della Selva

Kommen wir zum Samstag – direkt auf der Biermeile fand das zweite Tasting statt. Dieses mal ging es ausschließlich um Bier von Birrificio Del Ducato, Giovanni Campari war hierzu auch wieder mit vor Ort. Ein paar Überschneidungen mit dem Donnerstag gab es zwar, das ist aber nicht weiter wild. Am Samstag war es etwas schwierig den Ausführungen von Giovanni und Sylvia zu folgen, was aber nur daran lag dass direkt nebenan lautstark Volksmusik gespielt wurde. War so nicht eingeplant, aber shit happens. Ein anderer Patzer war, dass eines der zu verkostenden Biere leider gefehlt hat – es wurde parallel auch auf der Biermeile ausgeschenkt und scheinbar war das Fass einfach schneller leer als gedacht. Gut, dass wir das Machete Double IPA bereits am Freitag probiert haben 😉

Giovanni Campari und Sylvia Kopp

Giovanni Campari und Sylvia Kopp

Auch am Samstag war die Bierauswahl und Reihenfolge wieder gut durchdacht – leichtes Saison am Anfang, kräftiges Stout am Ende. Hier auch wieder die Bierliste des Tastings:

1. Violent Femme – Saison, 4,2 Vol.-%
2. New Morning – Saison, 5,8 Vol.-%
3. Donkere Vader – Black IPA, 6 Vol.-%
4. Vieille Ville Saison – Saison, 6 Vol.-%
5. Verdi Anniversario 200 – Imperial Stout, 8,0 Vol.-%
Nicht verfügbar war leider das Machete Double IPA

Das Verdi Anniversario hatten wir ja bereits am Donnerstag probiert – mein bester Freund wird das Bier aber nicht. Es ist äußerst interessant mit einer Vielzahl an Aromen wie Schokolade, Whiskey, Likör, ein bisschen Kirsche – es schmeckte im Körper ein bisschen wie flüssiges Mon Chery. Absolut nicht mein Typ Bier, aber man sollte es trotzdem definitiv mal probieren.
Am besten gefallen hat mir das Violent Femme, gebraut wurde es mit einer Priese Pfeffer, was sich auch im Geruch und im Geschmack zeigt. Dazu die Säure des Bieres, ein wenig Zitrus – sehr gut geeignet für die heißen Sommertage.

Zeit für Nachschub ;)

Zeit für Nachschub 😉

Zusammengefasst haben mir beide Tastings sehr gut gefallen und es werden auch sicher nicht die letzten sein.
Wer sich für Bier und insbesondere Craft Bier interessiert sollte auch unbedingt mal ein Tasting mitmachen. Auch Einsteiger sollten gut zurecht kommen dank der ausführlichen Erklärungen.

Preislich lagen diese Tastings bei 35 Euro für den Donnerstag und 15 Euro für den Samstag. Gemessen an der Anzahl der Biere und auch der teils sehr hohen Preise pro Bier für mich ein angemessener Preis. Man macht sowas ja auch nicht täglich 😉 Übrigens: wer den Newsletter der Academy Abonniert kann bei manchen Tastings ein paar Euro sparen.

Weitere Fotos von den Tastings findet ihr auch direkt auf der Facebookseite der Berlin Beer Academy

Disclaimer: Ein Platz bei den Tastings wurde uns netterweise kostenfrei von der Berlin Beer Academy zur Verfügung gestellt.

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