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Urban Chestnut zieht es nach Deutschland (zurück)

Urban Chestnut kennen sicher die meisten von euch, denn die Brauerei mit Hauptsitz in St. Louis USA ist bereits eine feste Größe im Craft Beer Geschäft. Gründer Florian Kuplent, der selbst aus Deutschland stammt und auch hier das Brauen lernte, zieht es nun zurück in die Heimat.

Heute gab man bekannt, dass man die kürzlich geschlossene Brauerei „Bürgerbräu Wolznach“ gekauft habe und dort zukünftig brauen wird. Einen genauen Zeitpunkt für die Eröffnung gibt es noch nicht, es soll aber bereits dieses Jahr der Fall sein. Florian Kuplent: “I’m really looking forward to the synergies we will realize and the fun we will have importing & exporting beer back and forth from the U.S. and Germany…I’m more than anxious to get the Urban Chestnut Brauerei up and running!”. Außerdem: “Since my apprenticeship as a teenager at Erharting Brauerei, I’ve always dreamed of owning my own brewery in Bavaria, […] I’m thinking we might be a little crazy opening our third brewery in 5 years, which is much sooner than we planned, but the Wolnzach opportunity was too good to pass up.”

Ähnlich wie bei Stone Brewing will man die Brauerei dazu nutzen, die eigenen Biere in Deutschland und Europa besser vermarkten zu können, aber auch um lokale Spezialitäten zu brauen, die dann wiederum in die USA exportiert werden. Außerdem wird es der Dreh- und Angelpunkt für den In- und Export der Biere und auch Rohmaterialien von Urban Chestnut.

Mitbegründer David Wolfe sieht es eher sachlich, aber nicht minder euphorisch: “In considering different ways to grow Urban Chestnut in Germany and in Europe as a whole, we believe the U.S. craft beer model of ‘local’ is a more than viable strategy. Actually owning and operating a brewery in Bavaria will provide us with a solid platform for growth via direct interaction with local beer drinkers and with beer drinkers visiting the Hallertau region during their beer pilgrimages.”

Wir sind auf jeden Fall gespannt, was für neue Biere uns Urban Chestnut präsentieren wird, wenn die Brauerei erstmal in Betrieb ist.
Wenn sie es schaffen wie geplant noch 2015 mit dem Brauen beginnen zu können, hätten sie somit auch Stone den Rang als erste US-Craft-Brauerei in Deutschland abgelaufen. Die Chancen stehen auch gut dafür. Während in Berlin Mariendorf ein altes Gaswerk noch komplett umgebaut werden muss, steht in Wolznach bereits eine Brauerei, die nur noch etwas angepasst werden muss.

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Zu Gast bei: Robens Kerkerbräu

Wir machen heute mal einen kleinen Ausflug, raus aus Berlin, ab nach Niedersachsen. Genauer gesagt in die nähe von Hannover, in einen kleinen Ort namens Eldagsen. Hier brauen Jens Hölzel und Robert Kathöwer bereits seit 2005 im eigenen Keller Bier. Da ich einige der Biere schon kannte und sehr gut fand, wollte ich mir natürlich auch mal ansehen, wo und wie denn dieses Bier gebraut wird. Netterweise hat sich Robert auch etwas Zeit genommen uns durch die Räume zu führen, Jens war leider nicht da. Wirklich viele Räume gibt es aber eigentlich gar nicht – Verkaufsraum und Brauanlage teilen sich den Hauptteil des Kellers, nur der Kühlraum ist natürlich ein extra Raum. Direkt beim betreten liegt einem dadurch der Geruch von frischem Bier in der Nase – so muss das sein! 🙂

Am Eingang liegt dann direkt der Tresen samt Zapfhähnen, gegenüber vom Tresen ein riesiger uriger Holztisch mit dazu passender Sitzbank. Wenn man die Brauanlagen im Hintergrund ausblendet könnte man meinen, man sitzt in einem alten Wirtshaus – ich finds gemütlich. Es muss ja nicht immer alles topmodern durchgestylt sein. Zur Begrüßung gabs dann auch erstmal einen frisch gezapften Zwickel. Geschmacklich war der aber schwer einzuschätzen, denn die Aromen des Brauprozesses nebenan überlagerten einfach alles. Aber dafür steht ja eine Flasche davon in meinem Kühlschrank 😉

Weiter gings mit dem „Sudhaus“, wobei ich es ob der Größe und Offenheit fast gar nicht so nennen möchte. Vornan stand direkt der Läuterbottich, durch den grad ein neues Weizenbier lief. Direkt daneben der neue Braukessel mit 500 Litern Volumen, der allerdings noch nicht in Betrieb ist. Derzeit wird noch mit einem kleineren 250 Liter Kessel gebraut, gegen Ende des Jahres soll dann der neue in Betrieb genommen werden. Wobei ich mich immer noch Frage, wie sie dieses Monstrum durch die kleine Kellertür bekommen haben.

Trotz der recht kleinen Anlage haben die beiden es 2013 auf insgesamt rund 20.000 Liter Gesamtvolumen geschafft und dabei 27 verschiedene Sorten gebraut. Eine ordentliche Leistung, wenn man bedenkt dass sie das Brauen nicht hauptberuflich betreiben. Dieses Jahr werden es voraussichtlich um die 24.000 Liter Gesamtvolumen, wenn es so weiter läuft wie bislang. Sobald der größere Kessel in Betrieb ist, dürfte sich das Volumen für 2015 noch einmal sehr deutlich erhöhen. Wer jetzt denkt auf dem Land braut man eher konservative Biere, der irrt sich: Unter den 27 Sorten waren sehr interessante Kreationen, unter anderem auch ein Milk Stout, ein IPA mit 200 IBU, oder auch mein bisheriger Favorit, das Belgian Quad: Ein Tripple Gran Cru nach belgischer Brauart mit satten 13,5% Vol. Das Rezeptbuch war auf jeden Fall sehr gut gefüllt.
Schön war aber auch zu sehen, mit welcher Freude Robert am Kessel stand oder frisches Bier gezapft hat. Die Freude am Bier und am brauen selbst ist denke ich das, was einen guten Brauer ausmacht.

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Aber weiter gehts ins Heiligtum – dem Kühlraum. Erstmal sieht man nur ein großes Regal, indem allerlei verschiedene Biersorten stehen. Das ist der Vorrat für die Tastings die auch regelmäßig veranstaltet werden.
Direkt daneben stehen dann die Gärtanks, neun Stück an der Zahl. Aktuell reifen darin z.B. ein Blueberry IPA, ein Pumpkin Ale oder auch das Erntebier, ein Oktoberfestbier. Schade dass das Pumpkin und das Blueberry noch nicht fertig waren, die hätte ich ja zu gerne schon probiert. Blöderweise gibts die Biere nämlich bislang ausschließlich vor Ort im Keller zu kaufen. Gut, wenn man dort wen kennt, der dann entsprechend shoppen gehen kann 😉

Apropos verkaufen. Mit dem größeren Braukessel und dem damit einhergehenden größeren Ausstoß ist auch geplant, die Abfüllgröße von 1 Liter Falschen auf die üblichen 0,33 Liter Flaschen umzustellen. Diese sollen dann auch via Distributoren in Onlineshops verkauft werden. Also auch in Berlin können wir dann schon Bald das Bier bestellen. Der einzige Nachteil daran: Sobald ein Zwischenhändler ins Spiel kommt, steigen natürlich auch die Preise an. Bislang sind die Preise mehr als Fair mit 3,20 Euro für 1L Kerker Gold, das Hausbier der beiden. Die anderen Sorten liegen in der Regel aber auch nur leicht darüber. Aber letztlich zahlt man für ein gutes Bier ja auch gerne mal etwas mehr, oder?

Eins darf ich euch noch verraten: Nächstes Jahr steht das 10-Jährige Jubiläum an und dem entsprechend wird natürlich auch gefeiert. Es wird dazu ein Barrel Aged Bier geben – was genau für eins und in was für Fässern es gelagert wird steht aber noch nicht fest. Ich bin da auf jeden Fall mal gespannt.

Mir hats auf jeden Fall Spaß gemacht, mir mal die Brauerei anzusehen – und ich bin sicher auch nicht das letzte mal dort gewesen 😉
Das große Tasting der Biersorten folgt noch, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass es gut werden wird!

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Das Deutsche Reinheitsgebot – Yey or Ney? [Kommentar]

Ich glaube es gibt aktuell kaum ein kontroverser diskutiertes Thema in der deutschen Bierlandschaft, als das Reinheitsgebot. Die einen sehen es als unumstößliche Institution an, fast schon als Heiligtum der Biergeschichte. Beiträge und Kommentare dazu sprießen derzeit an allen Ecken des Internets hervor, wie z.B. auch bei der Huffington Post DE. Gerade die alteingesessenen Brauer und Brauereien wettern gegen Craft Bier und „die Folgen der Missachtung des Reinheitsgebots“. Es wird gar die Apokalypse heraufbeschworen, wenn man nicht nach dem Gebot braut. Die anderen sehen es als obsolet an, als Relikt aus längst vergangenen Tagen, das nicht mehr zeitgemäß ist. Wieder anderen ist es schlicht egal, Hauptsache es schmeckt.

Aber fangen wir ganz von Vorne an: Was ist das Reinheitsgebot überhaupt und woher kommt es? In Kurzform gibt es zwei Gründe dafür. Zum einen sollte verhindert werden, dass gepanschtes Bier ausgeschenkt wird, was nur durch Regulierung der Zutaten möglich war. Zum anderen sollten sich aber auch die Brauer und die Müller nicht in die Quere kommen, insbesondere nicht nach einem Jahr mit schlechter Ernte. Daher stammen auch die vorgegebenen Zutaten Wasser, Hopfen, Malz. Natürlich steckt noch viel mehr Geschichte dahinter, denn es durchlief viele Entwicklungen, Veränderungen und galt eigentlich gar nicht für Deutschland, sondern nur für Bayern. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es zum „Deutschen Reinheitsgebot“ erklärt, zuvor war es lediglich das Bayrische Reinheitsgebot bzw. ein Teil der Bayrischen Landesverordnung. Aber darum geht es hier ja an sich nicht. Die Geschichte kann sich jeder interessierte z.B. auf Wikipedia durchlesen. Aber wenn ich schon höre, wie manch einer sich auf den „500. Geburtstag“ des Reinheitsgebot freut.. sorry Leute, so alt ist es noch nicht. In 400 Jahren reden wir dann noch mal darüber.

3954595841_5f52af371f_oPhoto by Joel Bez on Flickr || CC BY 2.0

Natürlich könnte man jetzt darauf rumreiten, dass die Brauer sich ja an die alte Verordnung von 1516 halten… oder an die Münchner Verordnung von 1478… aber mal im Ernst… wer glaubt bitte daran? Denn laut dem ursprünglichen Gesetzt darf auch keine Hefe beigefügt werden. Die kannte man damals nämlich noch nicht, bzw. war es einfach nicht bekannt, was das genau ist und was sie im Bier macht. Enthalten war sie natürlich trotzdem.

Der Punkt ist ja, dass wir heutzutage eine solche Regulierung nicht mehr brauchen. Jedes Getränk, das im Laden landet, durchläuft eine Lebensmittelprüfung und wird dabei eingehend untersucht. Würde also ein Brauer panschen, würde das Ergebnis daraus nie im Laden landen. Zudem wurde das Reinheitsgebot bereits nahezu vollständig durch das Biersteuergesetz und die Bierverordnung abgelöst. Beide Regelungen sind aber lange nicht mehr so streng wie früher. Einzige Ausnahme sind hier untergärige Biere wie z.B. Weissbier bzw. Weizen – hier gibt es noch recht strenge Auflagen.
Außerdem haben wir mittlerweile, zumindest in den reicheren Ländern, keine Probleme mehr damit dass sich die Müller und Brauer in die Quere kommen – es sind genügend Rohstoffe zu jeder Jahreszeit vorhanden. Den Punkt können wir also auch streichen, wenn es darum geht, ob das Reinheitsgebot noch einen Sinn hat.

Soweit zu den Fakten. Und was denke ich nun darüber? Ganz simpel: Ich halte es für überholt, sinnlos in unserer Zeit. Es war einmal Sinnvoll und sogar notwendig, doch das ist schon lange vorbei. Die Lebensmittelkontrollen, die teils extrem Hohe Qualität der Zutaten und die deutlich besseren Brautechniken gegenüber früher machen es schlicht obsolet. Es wird hauptsächlich noch von den größeren Brauereien als Marketing Instrument genutzt, um den Kunden eine höhere Qualität vorzugaukeln. Doch auch dort wird schon längst nicht mehr nach dem Gebot gebraut. Zusatzstoffe zur Klärung des Biers, zur besseren Schaumbildung, und so weiter werden dort auch schon seit langem eingesetzt. Das ist nichts schlimmes, aber eben auch nicht dem ursprünglichen Gebot entsprechend.

Es hat auch einfach den Prozess der Bierentwicklung in Deutschland verlangsamt, wenn nicht sogar gestoppt. Wir haben eine jahrhundertealte Biertradition in Deutschland, trotzdem hängen wir mittlerweile hinterher was die Vielfalt angeht. Eine Hand voll Biersorten hat sich festgesetzt, die nahezu alle gleich schmecken. Nicht die Sorten untereinander – ein Bock ist natürlich anders als ein Pils – aber wenn ich zwei verschiedene Industrie-Pils trinke ist beides die gleiche gelbe Plörre. Keiner der großen traute sich aus der Reihe zu tanzen, mal was neues zu probieren. Man könnte ja Kunden verlieren. Dabei ist der Deutsche ja prinzipiell „seiner“ Brauerei ähnlich treu wie seinem Fußballclub. Das einzige was sich in letzter Zeit entwickelte: Misch-Bier. Bier mit Cola, Energy-Drinks, Limonade, Saft, whatever. Kurzum: Furchtbares Zeug.

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Mongoliches Bier nach dem Deutschen Reinheitsgebot.. ist klar 😉

Und das, obwohl sich auch innerhalb des Reinheitsgebot hervorragendes und vor allem vielfältiges Bier brauen lässt. Bei mehreren tausend Hopfensorten, Hunderten Malzsorten und zig verschiedener Hefen kann man wunderbar variieren. Ein IPA z.B. kann problemlos innerhalb des Reinheitsgebot gebraut werden. Es kommt nur auf die Hopfenwahl und das Herstellungsverfahren an.

Und wisst ihr, was noch so alles zulässig ist laut „Reinheitsgebot“ (Biersteuergesetz)? Zucker, Farbstoffe, Polyvinylpolypyrrolidon (Ein Polymer zum klären des Bieres), und viele weitere.

Ich bin insgesamt sehr froh, dass es Craft-Brauer gibt, auf das Reinheitsgebot pfeifen und einfach ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Kürzlich hatte ich z.B. ein Kastanien Bier und es war äußerst lecker. Oder auch mit Früchten vergorene Biere statt sich eklig süßen Sirup in die Berliner Weisse zu kippen. Das Ergebnis ist weit besser und lange nicht so süß wie diese Panscherei mit Sirup oder Saft. Denn DAS ist wirklich panschen. Die Weisse hingegen direkt mit Hinbeeren zu vergären ist eine Kunst für sich und ganz sicher keine „Panscherei“, wie es manche heraufbeschwören.

Biere aus natürlichen Zutaten, egal ob nun ausschließlich Hopfen, Malz und Hefe oder mit Kastanien, Beeren oder Wildblumen gebraut, sind mir einfach deutlich lieber als Biere, denen irgendwelche Farbstoffe und Polymere beigesetzt wurden.

So, aber genug zu mir und meiner Meinung. Was sagt ihr zu dem Thema? Lasst mal hören!