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Die Geschichte des Bieres Part 1

Meine Theorie zur Entstehung des Bieres ist ja die, dass ein höheres Wesen die Streitigkeiten zwischen Frau und Mann beobachtete und sich dachte,  es sollte da doch ein wenig Entspannung rein bringen. :)
In Wirklichkeit wird es eher so gewesen sein, dass irgendwann Getreidebrei in der Sonne vergessen wurde und sich in eine gegorene Masse verwandelte. Und natürlich konnte es jemand mal wieder nicht lassen und stopfte sich den Kram in den Mund.  Aber so sind wir Menschen nun mal und das ist auch gut so. Wie viele großartige Entdeckungen wären nicht gemacht worden, wären wir nicht wagemutig und neugierig?

 

Schon 5000. v. Chr. gab es  im sogenannten „fruchtbaren Halbmond“,  der Gegend zwischen Euphrat und Tigris, Anbauflächen auf denen Gerste und Emmer wuchs. Beide Getreidearten wurden zum Backen von Brot und  zum Brauen von Bier verwendet.

Der Fruchtbare Halbmond

Der fruchtbare Halbmond

Die ersten Aufzeichnungen die belegen, dass in dieser Gegend schon bewusst gebraut und mit Bier gehandelt wurde, stammen allerdings erst aus der Zeit 4000-3000v. Chr.  In dem bis dahin für die Entwicklung des Bieres wichtigsten Gebiet trieben sich die Sumerer rum. Natürlich trieben die sich nicht einfach nur rum, sondern waren äußerst geschäftige Gesellen. Sie trieben Handel, Landwirtschaft, entwickelten die Keilschrift und natürlich “brauten” sie Bier. Schon damals war es ein bewusster Vorgang, aber nicht vergleichbar mit heute. Weder das handwerkliche Vorgehen, noch das Ergebnis. Man bukBrot, röstete und wässerte es und lies es dann einfach vor sich hin gären. Was da genau passierte, war den Menschen damals nicht bekannt. Hefebaktieren usw. waren natürlich noch kein Thema.  Die Sumerer, die wie erwähnt auch die Keilschrift entwickelten, meißelten so ziemlich alles in Stein was sie so trieben. In der Zeit zwischen 3000 und 1800 v.Chr. entstand durch die Sumerische Hand auch der Gilgamesch-Epos, in dem die “wahre” Bedeutung des Bieres für die Menschen dargestellt wurde. Und zwar, dass der Mensch sich durch Brot und Bier vom “Tier” zum kultivierten Wesen entwickelt hat. Hier ein kleiner Auszug aus dem Epos:
“Da lebte der wilde Enkidu, ein zottiges Wesen, in der Steppe und fraß mit den Gazellen Gras. Zu dem schickte der König und Halbgott Gilgamesch eine leichte Dame, um ihm Kultur beizubringen. Das war dringend nötig, denn:»Enkidu weiß nicht, wie man Brot ißt; er versteht nicht, Bier zu trinken. Da tat die Dirne ihren Mund auf und sprach zu Enkidu: Iß das Brot, Enkidu, das gehört zum Leben. Trinke das Bier, wie es im Leben Brauch ist!Enkidu aß das Brot, bis er satt war. Er trank das Bier, sieben Krüge voll. Da entspannte sich sein Inneres und er ward heiter. Sein Herz frohlockte und sein Angesicht strahlte. Er wusch sich den zottigen Leib mit Wasser, salbte sich mit Öl – und ward ein Mensch”

Enkidu

Enkidu

Auch wenn es vielleicht im ersten Moment absurd klingt, falsch ist es ja nicht. Denn für den Ackerbau, welcher für die Herstellung von Brot und Bier nötig ist, mussten die Menschen damals das Nomadenleben aufgeben und sesshaft werden. Ein bedeutender Schritt Richtung heutiger Gesellschaft.
Inzwischen ist auch bekannt, dass das Bier der Sumerer für Frauen und Männer unterschiedlich war. Während das Bier für Frauen hauptsächlich aus Emmer hergestellt wurde und durch Honig und verschiedene Gewürze verfeinert wurde, bekamen Männer Bier das hauptsächlich aus Gerste erzeugt wurde. Das „Männer-Bier“ war heller und herber als jenes, welches das schöne Geschlecht zu trinken bekam. Die Sumerer kannten schon mehrere verschiedene Biersorten. Vom dünnen hellen Bier bis hin zu einem eher dicken dunklen Vollbier. Im Louvre in Paris kann man heute noch Tafeln, die „Monument bleu“, betrachten auf denen ein Rezept zur Herstellung von Bier aus der damaligen Zeit festgehalten wurde. In dem Fall handelte es sich allerdings um ein Bier, dass zur Opfergabe der Fruchtbarkeitsgöttin Nin-Harrer diente.
Die Sumerer waren natürlich auch gesellige Menschen und betrieben Wirtschaften in denen das Bier, welches in großen Krügen mit einem Röhrchen als Strohalm serviert wurde, angeboten wurde. Einer überlieferten Geschichte nach, war die Wirtin Kubaba mit Ihrer Wirtschaft so erfolgreich, dass die Stadt Kish  um diese Wirtschaft herum entstand und Kubaba zur ersten Stadtfürstin wurde. Bier und Brot waren damals Dreh und Angelpunkt des gesamten Sumerischen Reiches. Jedem Sumerer stand, je nach ansehen bzw. Zugehörigkeit, täglich Bier zu. Steuern, Bestattungen usw. wurden allesamt mit Bier und Brot bezahlt.

Im zweiten Jahrhundert v.Chr. zerfiel das Sumerische Reich und die Babylonier regierten die Region. Die schon damals als äußerst gebildet geltenden Babylonier haben die Braukunst weiterentwickelt und kannten bereits 20 verschiedene Biersorten. 8 aus Emmer, 8 aus Gerste und 4 Mischbiere. Auch die Babylonier verfeinerten Ihre Biere weiterhin mit Honig und anderen Gewürzen für die Frauen und die herberen, bitteren Biere für die Herren wurden mit Lupinien „verfeinert“. Bier gewann auch bei den Babyloniern immer mehr gesellschaftlichen Wert, so dass die Bauern oft annähernd das gleiche Ansehen hatten wir die Priester in den Tempeln. Der gerne als erster bedeutender König bezeichnete Hammurapi, sollte ja jeder kennen 🙂 , erließ strenge Gesetze im Bezug auf Bier und dessen Ausschank, welche in eine 2,25m hohe Säule gemeißelt wurden und heute gerne auch mal „Codex-Hammurapi“ genannt werden. Auch diese Dioritstele verweilt aktuell im Louvre in Frankreich und kann dort betrachtet werden. War von euch schon wer im Louvre und hat die „Monument bleu“ und den „Codex-Hammurapi“ gesehen?

Codex Hammurapi Stela front

Codex Hammurapi Stela

Auch bei den Babyloniern wurde Bier quasi für alles verwendet. Zum Beispiel hat man jegliche Heilmittel, auch die die einem Kater vorbeugen sollten,  in Bier aufgelöst und zu sich genommen. Und das, so wie es bereits die Sumerer taten, mit einem „Strohhalm“.

Sicher ist „Der fruchtbare Halbmond“ nicht die einzige Gegend, in der die Voraussetzungen gegeben waren um das „Ur-Bier“ zu brauen, aber die wichtigste. Daher bin ich auch nur auf diese Gegend und deren Bewohner eingegangen.

 

So. An dieser Stelle erstmal genug Geschichte. Im nächsten Teil geht es dann weiter mit dem römischen Reich und vielleicht ein wenig mehr.

 

*Header Picture by stevendepolo under CC 2.0