Archive for : August, 2014

Galoppers Herbst-Braufest in Hamburg

Wieder einmal blicken wir etwas neidisch nach Hamburg. In Sachen Craft Beer holt Hamburg immer weiter auf zu Berlin, ist mittlerweile auch fast schon ebenbürtig wie ich finde. Daher gibt es dort auch immer mehr entsprechende Veranstaltungen und als nächstes steht das Galoppers Herbst-Braufest am 06.09.2014 an.

Viele verschiedene Biere von insgesamt 10 Brauereien könnt ihr dort verkosten, welche Biere es genau sein werden wird aber noch nicht verraten. Der Eintritt ist mit 5 Euro moderat, das Bier kostet aber verständlicherweise auch noch extra. Genauere Preise werden aber nicht genannt. Da von „einem kleinen Obulus“ die Rede ist, gehe ich mal von dem üblichen Euro pro 100ml aus.

Die Brauereiliste liest sich auf jeden Fall schon mal sehr gut:

Kehrwieder Kreativbrauerei
Brewcifer
Buddelship Brauerei Hamburg
Mikkeller
ROLLBERGER
O’Hara’s Irish Craft Beers
Brausturm
Mac Ivors Cider Co.
Onkel Bier
BrauKunstKeller

Das ganze findet in der Bar ‚Galopper des Jahres‘ am Schulerblatt 73  in 20357 Hamburg Statt – los geht es ab 14 Uhr.
Die Location ist übrigens nicht nur irgendeine Bar, sondern Teil des Kulturzentrum 73. Dieses grenzt direkt an die ‚Rote Flora‘ und hat auch schon einige Geschichten zu erzählen.
Wer mehr über die Geschichte erfahren will kann dazu beim Bierguerilla oder bei Brunnenbräu vorbeischauen.

Noch einmal kurz und knackig alle Daten:

Wo?
Galopper des Jahres
Schulerblatt 73
20357 Hamburg

Wann?
06.09.2014
14-20:00 Uhr

Schade dass wir nicht vor Ort sein können – daher trinkt einfach mal für uns mit 😉

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Übersichtskarte deutscher Mikrobrauer

Vor einiger Zeit haben wir ja schon auf die Berliner Craft Beer Karte bei Berlin Craft Beer hingewiesen. Nicht nur für Berliner praktisch, sondern natürlich auch für diejenigen, die Berlin besuchen – vielleicht sogar nur wegen des Craft Beer ;).

Aber natürlich ist Berlin nicht der einzige Ort in Deutschland wo Bier Liebhaber leben und man Bier trinkt und braut. Auf der Suche nach einer kompletten Übersicht sind wir über die Craft Beer Freunde auf die Beta von Mikrobrauer.com gestoßen. Auf der Karte findet ihr wahrscheinlich alle aktuell bekannten Micro- und Craft Brauereien Deutschlands. Auf jeden Fall sehr übersichtlich gemacht und vor allem dann hilfreich, wenn man in unbekannten Regionen unterwegs ist und ein gutes Bier sucht.

Etwas schade ist, dass bei den Brauereiinfos auf der Karte nicht die Webseiten, Öffnungszeiten oder ähnliches vermerkt ist. Auch die genaue Adresse fehlt. Aber wenn man erstmal eine Brauerei auf der Karte entdeckt hat, ist es sicher ein leichtes die restlichen Daten mittels der Suchmaschine eurer Wahl herauszufinden.
Außerdem ist die ganze Karte ja noch im Beta Stadium, wir gehen daher davon aus, dass die Infos noch ergänzt werden. Hilfreich wäre da sicher etwas Crowd-Sourcing, bei dem Änderungen der Brauerei-Details oder neue Brauereien einfach von den Nutzern eingereicht werden können. So muss das Team hinter der Karte nur noch die Daten prüfen. Wir behalten das Projekt auf jeden Fall im Auge.

Und noch ein Tipp zum Abschluss: Unter http://blog.mikrobrauer.com/ findet ihr zudem das dazugehörige Blog.

 

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Grimbergen – vier Belgier zu Besuch

Was ich letzten Donnerstag so gemacht habe? Ich habe Fußball geschaut und das in Gesellschaft von vier kleinen Belgiern. Ich hatte die vier schon vor einiger Zeit gekauft, es allerdings bisher nicht geschafft die auch zu probieren. Das habe ich dann Donnerstag bei der Gelegenheit nachgeholt und will euch meine Meinung natürlich auch nicht vorenthalten. Aber erstmal zur Brauerei.

Brouwerij Alken Maes

By Fbleus (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die vier Abteibiere kommen von der Belgischen Brauereigruppe Alken-Maes. Gegründet wurde die Brauereigruppe 1988 als sich die beiden auf Pils spezialisieren Brauereien Maes  und Cristal Alken zusammen geschlossen haben.  Die beiden Brauereien sind in Mechelen und Opwijk, Belgien. Ab diesem Zeitpunkt hat die Braugruppe weitere Brauereien gekauft wie zum Beispiel De Keersmaeker brewery, Ciney und Brugs Witbier bis sie 2000 vom Britischen Unternehmen Scottish & Newcastle übernommen wurden. Und das ganze Paket hat sich 2009 dann der Heineken Konzern unter den Nagel gerissen. Aktuell werden folgende Biere bei bei Alken-Meas gebraut.

Mort Subite Original Kriek (4,5 %)
Mort Subite Xtreme Framboise (4,3 %)
Mort Subite Xtreme Kriek (4,3 %)
Natural Oude Gueuze (7 %)
Original Gueuze (4,5 %)
Ciney Blonde (7 %)
Ciney Brune (7 %)
Ciney Spéciale (8,5 %)
Cristal (4,8 %)
Cristal 1928 (5,8 %)
Grimbergen Blonde (6,7 %)
Grimbergen Dubbel (Bruin) (6,5 %)
Grimbergen Tripel (Blond) (9 %)
Grimbergen Optimo Bruno (Bruin) (10 %)
Grimbergen Goud (8 %)
Maes (5,2 %)

Und vier davon habe ich mal probiert:

Das Grimbergen Blonde:

 

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Ein helles goldgelbes Bier mit einer dünnen Schaumbildung. Es riecht fruchtig, wobei schwer zu definieren ist nach welchen Früchten genau. Zumindest war es mir nicht möglich mich da festzulegen. Etwas in Richtung Citrusfrucht auf jeden Fall. Der Geruch bestätigt sich im Geschmack. Es ist leicht säuerlich und dabei fruchtig. Im Körper wie im Angang ändert sich daran nichts. Ein sehr erfrischendes Bier, dass ich trotz 6,7% Vol. sicher mal an dem einen oder anderen heißen Tag trinken werde.

Das Grimbergen Optimo Bruno:

 

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Auf dem Bild aufgrund der Lichtverhältnisse nicht so gut zu erkennen, aber das Bruno ist ein fuchsrotes Bier. Es hat eine starke Schaumbildung und dadurch entsteht eine schöne dichte Krone. Ich finde  optisch ist es schon mal ein sehr ansprechendes Bier. Vom Geruch her süßlich und es erinnert an Karamell und ein leichter Hauch von Likör ist wahrnehmbar. Die leichte Karamell Note sowie der doch starke Geschmack nach einem süßen Likör sind im Körper und im Abgang präsent. Das Bruno ist ein schweres Bier und sollte mit seinen 10% Vol. auch nicht unterschätzt werden. Ich finde es ok, aber bin jetzt kein großer Fan vom Bruno.

Das Grimbergen Triple

 

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Ein dunkles Gold strahlt einem aus dem Glas entgegen mit einer recht ansehnlichen Krone., welche sich auch nicht allzu schnell verflüchtigt.  Vom Geruch her recht unscheinbar. Man könnte sagen es riecht leicht säuerlich. Vielleicht etwas in Richtung Trauben. Ich habe zwar schon ewig keinen mehr getrunken, aber man kann es vom Geruch mit einem Weißwein vergleichen.  Vom Geschmack her war es genau so unauffällig wie vom Geruch her. Es ist leicht fruchtig im ersten Moment, geht dann im Körper in eine malzige Süße über und im Abgang ist es fruchtig und leicht bitter. Auch das Triple haut mit 9% Vol. rein. Aber es haut mich nicht wirklich vom Hocker.

Zu guter Letzt das Grimbergen Dubbel:

 

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Das Dubbel ist ein rotbraunes Abteibier und hat eine cremige Schaumkrone. Auch das Dubbel duftet leicht nach Karamell und man es lässt sich am Geruch eine kräftige Malz Note erahnen.  Im ersten Moment herrschte bei mir eine leichte Verwirrung. Es ist äußerst weich im Mund, aber im ersten Moment konnte ich nicht viel schmecken, außer vielleicht einen hauch Nuss und Lakritz. Im Körper kommt dann aber ein kräftiger malziger Geschmack durch der in einen leicht mit Honig durchsetzten bitteren Abgang übergeht. Mit 6,5% ist es kein sehr starkes Bier. Auch das Dubbel ist kein Bier nach meinem Geschmack. Aber sicher etwas herrliches für Liebhaber dieser Geschmacksrichtungen.

Ich muss sagen, dass es alles in allem 4 solide Biere waren. Keines hat mich irgendwie überrascht, aber auch nicht enttäuscht. Das Blonde hat es mir ein wenig angetan, da ich persönlich auf sauer und erfrischend stehe. Es ist nicht zu sauer und daher äußerst süffig. die anderen drei waren wie erwähnt nicht unbedingt mein Geschmack, aber an und für sich ganz gute und schmackhafte Biere.

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Zu Gast bei: Robens Kerkerbräu

Wir machen heute mal einen kleinen Ausflug, raus aus Berlin, ab nach Niedersachsen. Genauer gesagt in die nähe von Hannover, in einen kleinen Ort namens Eldagsen. Hier brauen Jens Hölzel und Robert Kathöwer bereits seit 2005 im eigenen Keller Bier. Da ich einige der Biere schon kannte und sehr gut fand, wollte ich mir natürlich auch mal ansehen, wo und wie denn dieses Bier gebraut wird. Netterweise hat sich Robert auch etwas Zeit genommen uns durch die Räume zu führen, Jens war leider nicht da. Wirklich viele Räume gibt es aber eigentlich gar nicht – Verkaufsraum und Brauanlage teilen sich den Hauptteil des Kellers, nur der Kühlraum ist natürlich ein extra Raum. Direkt beim betreten liegt einem dadurch der Geruch von frischem Bier in der Nase – so muss das sein! 🙂

Am Eingang liegt dann direkt der Tresen samt Zapfhähnen, gegenüber vom Tresen ein riesiger uriger Holztisch mit dazu passender Sitzbank. Wenn man die Brauanlagen im Hintergrund ausblendet könnte man meinen, man sitzt in einem alten Wirtshaus – ich finds gemütlich. Es muss ja nicht immer alles topmodern durchgestylt sein. Zur Begrüßung gabs dann auch erstmal einen frisch gezapften Zwickel. Geschmacklich war der aber schwer einzuschätzen, denn die Aromen des Brauprozesses nebenan überlagerten einfach alles. Aber dafür steht ja eine Flasche davon in meinem Kühlschrank 😉

Weiter gings mit dem „Sudhaus“, wobei ich es ob der Größe und Offenheit fast gar nicht so nennen möchte. Vornan stand direkt der Läuterbottich, durch den grad ein neues Weizenbier lief. Direkt daneben der neue Braukessel mit 500 Litern Volumen, der allerdings noch nicht in Betrieb ist. Derzeit wird noch mit einem kleineren 250 Liter Kessel gebraut, gegen Ende des Jahres soll dann der neue in Betrieb genommen werden. Wobei ich mich immer noch Frage, wie sie dieses Monstrum durch die kleine Kellertür bekommen haben.

Trotz der recht kleinen Anlage haben die beiden es 2013 auf insgesamt rund 20.000 Liter Gesamtvolumen geschafft und dabei 27 verschiedene Sorten gebraut. Eine ordentliche Leistung, wenn man bedenkt dass sie das Brauen nicht hauptberuflich betreiben. Dieses Jahr werden es voraussichtlich um die 24.000 Liter Gesamtvolumen, wenn es so weiter läuft wie bislang. Sobald der größere Kessel in Betrieb ist, dürfte sich das Volumen für 2015 noch einmal sehr deutlich erhöhen. Wer jetzt denkt auf dem Land braut man eher konservative Biere, der irrt sich: Unter den 27 Sorten waren sehr interessante Kreationen, unter anderem auch ein Milk Stout, ein IPA mit 200 IBU, oder auch mein bisheriger Favorit, das Belgian Quad: Ein Tripple Gran Cru nach belgischer Brauart mit satten 13,5% Vol. Das Rezeptbuch war auf jeden Fall sehr gut gefüllt.
Schön war aber auch zu sehen, mit welcher Freude Robert am Kessel stand oder frisches Bier gezapft hat. Die Freude am Bier und am brauen selbst ist denke ich das, was einen guten Brauer ausmacht.

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Aber weiter gehts ins Heiligtum – dem Kühlraum. Erstmal sieht man nur ein großes Regal, indem allerlei verschiedene Biersorten stehen. Das ist der Vorrat für die Tastings die auch regelmäßig veranstaltet werden.
Direkt daneben stehen dann die Gärtanks, neun Stück an der Zahl. Aktuell reifen darin z.B. ein Blueberry IPA, ein Pumpkin Ale oder auch das Erntebier, ein Oktoberfestbier. Schade dass das Pumpkin und das Blueberry noch nicht fertig waren, die hätte ich ja zu gerne schon probiert. Blöderweise gibts die Biere nämlich bislang ausschließlich vor Ort im Keller zu kaufen. Gut, wenn man dort wen kennt, der dann entsprechend shoppen gehen kann 😉

Apropos verkaufen. Mit dem größeren Braukessel und dem damit einhergehenden größeren Ausstoß ist auch geplant, die Abfüllgröße von 1 Liter Falschen auf die üblichen 0,33 Liter Flaschen umzustellen. Diese sollen dann auch via Distributoren in Onlineshops verkauft werden. Also auch in Berlin können wir dann schon Bald das Bier bestellen. Der einzige Nachteil daran: Sobald ein Zwischenhändler ins Spiel kommt, steigen natürlich auch die Preise an. Bislang sind die Preise mehr als Fair mit 3,20 Euro für 1L Kerker Gold, das Hausbier der beiden. Die anderen Sorten liegen in der Regel aber auch nur leicht darüber. Aber letztlich zahlt man für ein gutes Bier ja auch gerne mal etwas mehr, oder?

Eins darf ich euch noch verraten: Nächstes Jahr steht das 10-Jährige Jubiläum an und dem entsprechend wird natürlich auch gefeiert. Es wird dazu ein Barrel Aged Bier geben – was genau für eins und in was für Fässern es gelagert wird steht aber noch nicht fest. Ich bin da auf jeden Fall mal gespannt.

Mir hats auf jeden Fall Spaß gemacht, mir mal die Brauerei anzusehen – und ich bin sicher auch nicht das letzte mal dort gewesen 😉
Das große Tasting der Biersorten folgt noch, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass es gut werden wird!

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Tastings der Berlin Beer Academy – Ein Erlebnisbericht

Über die Berlin Beer Academy hatten wir ja bereits das eine oder andere Mal geschrieben. Jetzt sind wir aber auch endlich mal dazu gekommen, den Worten Taten folgen zu lassen und an zwei ausführlichen Tastings teilzunehmen. Denn man lernt ja bekanntlich nie aus und gerade in einem recht neuen Bereich wie Craft Bier wollen wir natürlich so viel Wissen mitnehmen, wie es nur geht.

Im Rahmen der Biermeile standen zwei Tastings an, die sich auch thematisch direkt auf die Biermeile und den teilnehmenden Brauereien bezogen. Am Donnerstag den 31.07.2014 stand erstmal eine „Biermeile-Sneak-Preview“ an, direkt in den Räumen der Academy. Mit vor Ort waren auch die Brauer, die sich für die zu verkostenden Biere verantwortlich zeigen: Claudio Verullo von Birra Amiata aus Italien, Giovanni Campari von Birrificio Del Ducato ebenfalls aus Italien sowie Florian Kuplent von Urban Chestnut aus den USA – ursprünglich stammt Florian aber aus Deutschland und hat auch hier seinen Braumeister gemacht. Das war für mich auch einer der interessantesten Aspekte, die Brauer einmal Live zu erleben und direkt von der Quelle zu hören, was sie so antreibt beim Entwickeln neuer Sorten.

Alle drei waren sich hier sehr einig, dass es vor allem in erster Linie um die Ausgewogenheit des Bieres geht. An manchen Rezepten wurde daher mehrere Jahre lang gefeilt, bis es endlich fertig war. Aber auch die regionalität steht im Mittelpunkt, so dass die meisten Biersorten aus Zutaten entstehen, die in direkter Umgebung der Brauerei anzufinden sind.

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Aber neben dem Probieren neuer Sorten ist auch das erkennen der Aromen ein sehr großer Punkt. Schön ist dabei, dass einem hier nicht einfach die Aromen heruntergeleiert werden, damit man es mal gehört hat, sondern es bleibt immer auch ausreichend Zeit das Bier zuvor selbst zu kosten und sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen. Einige Aromen hätte ich z.B. nicht erkannt, obwohl ich sie geschmeckt habe. Die Erklärungen helfen dabei, sein eigenes Geschmacksempfinden mal wieder etwas aufzupolieren. Dinge die man sonst eher selten bis gar nicht isst, erkennt man sonst auch sehr schwer. Oder hättet ihr gewusst, woran ihr eine torfige, erdige Note erkennt? 😉
Gerade beim erkennen der verschiedenen Aromen hat es mir daher sehr geholfen – und das kommt ja am Ende ja irgendwie auch euch zugute.

Zum Bier wurde auch etwas Brot und Wasser gereicht, um zwischendurch den Geschmack des vorherigen Bieres etwas zu neutralisieren.

Die Auswahl der Biere war gut getroffen und vor allem auch von der Reihenfolge her sehr treffend. Es fing an mit leichten, sommerlichen Bieren und endete mit einem extrem kräftigen und aromatischen Imperial Stout. Natürlich haben wir auch für euch eine Übersicht des Abends:

1. Wedding Rauch – Rauchmärzen von Del Ducato, 5,2 Vol.-%
2. Bastarda Rossa – Kastanienbier von Birra Amiata, 6 Vol.-% – gebraut mit 20% Kastanien
3. Winged Nut – Weizenbier von Urban Chestnut, 5,4 Vol.-%
4. Crocus Saison – Saison von Birra Amiata 7 Vol.-% – mit echtem Safran!
5. Hopfen – IPA von Urban Chestnut, 6,1 Vol.-%, 45 IBU (International Bitter Units)
6. STLIPA – Double IPA von Urban Chestnut, 8 Vol.-%, 60 IBU
7. Drago Della Selva – Rauchbier von Birra Amiata, 8 Vol.-% – mit schottischem Torfmalz gebraut
8. Verdi Anniversario 200 – Imperial Stout, 8 Vol.-% – 12 Monate im Whiskeyfass gereift

Unter den Links zum Bier findet ihr auch meine Notizen vom Tasting dazu.
Meine persönlichen Favoriten? Ganz klar das Drago Della Selva und das Crocus Saison. Beide waren einfach einzigartig im Geschmack und Aroma. Rauchbier ist sonst eigentlich nicht mein Fall, das Drago passt aber auch nicht in die klassische Schublade der Rauchbiere ala Schlenkerla. Beim Einschenken schon die erste Überraschung: Es ist nicht dunkel, sondern Goldgelb. Der Geruch der einem entgegen schwappt kontert aber direkt mit einer Mischung aus Torf- und Raucharomen. Vermischen sich die Aromen, hat man das Gefühl in einem Schafstall zu stehen. Geschmacklich dagegen haut es einen wirklich um. So viele Aromen und doch so ausgeglichen – einfach ein hervorragendes Bier.
Beim Crocus Saison überzeugt dagegen der Geschmack nach frischem Safran. Das hat man selten, vor allem da er sich einfach sehr gut in das Bier einfügt. Vom Geruch her erinnerte es mich direkt an Paella. 

Sehr helles Rauchbier: Drago Della Selva

Sehr helles Rauchbier: Drago Della Selva

Kommen wir zum Samstag – direkt auf der Biermeile fand das zweite Tasting statt. Dieses mal ging es ausschließlich um Bier von Birrificio Del Ducato, Giovanni Campari war hierzu auch wieder mit vor Ort. Ein paar Überschneidungen mit dem Donnerstag gab es zwar, das ist aber nicht weiter wild. Am Samstag war es etwas schwierig den Ausführungen von Giovanni und Sylvia zu folgen, was aber nur daran lag dass direkt nebenan lautstark Volksmusik gespielt wurde. War so nicht eingeplant, aber shit happens. Ein anderer Patzer war, dass eines der zu verkostenden Biere leider gefehlt hat – es wurde parallel auch auf der Biermeile ausgeschenkt und scheinbar war das Fass einfach schneller leer als gedacht. Gut, dass wir das Machete Double IPA bereits am Freitag probiert haben 😉

Giovanni Campari und Sylvia Kopp

Giovanni Campari und Sylvia Kopp

Auch am Samstag war die Bierauswahl und Reihenfolge wieder gut durchdacht – leichtes Saison am Anfang, kräftiges Stout am Ende. Hier auch wieder die Bierliste des Tastings:

1. Violent Femme – Saison, 4,2 Vol.-%
2. New Morning – Saison, 5,8 Vol.-%
3. Donkere Vader – Black IPA, 6 Vol.-%
4. Vieille Ville Saison – Saison, 6 Vol.-%
5. Verdi Anniversario 200 – Imperial Stout, 8,0 Vol.-%
Nicht verfügbar war leider das Machete Double IPA

Das Verdi Anniversario hatten wir ja bereits am Donnerstag probiert – mein bester Freund wird das Bier aber nicht. Es ist äußerst interessant mit einer Vielzahl an Aromen wie Schokolade, Whiskey, Likör, ein bisschen Kirsche – es schmeckte im Körper ein bisschen wie flüssiges Mon Chery. Absolut nicht mein Typ Bier, aber man sollte es trotzdem definitiv mal probieren.
Am besten gefallen hat mir das Violent Femme, gebraut wurde es mit einer Priese Pfeffer, was sich auch im Geruch und im Geschmack zeigt. Dazu die Säure des Bieres, ein wenig Zitrus – sehr gut geeignet für die heißen Sommertage.

Zeit für Nachschub ;)

Zeit für Nachschub 😉

Zusammengefasst haben mir beide Tastings sehr gut gefallen und es werden auch sicher nicht die letzten sein.
Wer sich für Bier und insbesondere Craft Bier interessiert sollte auch unbedingt mal ein Tasting mitmachen. Auch Einsteiger sollten gut zurecht kommen dank der ausführlichen Erklärungen.

Preislich lagen diese Tastings bei 35 Euro für den Donnerstag und 15 Euro für den Samstag. Gemessen an der Anzahl der Biere und auch der teils sehr hohen Preise pro Bier für mich ein angemessener Preis. Man macht sowas ja auch nicht täglich 😉 Übrigens: wer den Newsletter der Academy Abonniert kann bei manchen Tastings ein paar Euro sparen.

Weitere Fotos von den Tastings findet ihr auch direkt auf der Facebookseite der Berlin Beer Academy

Disclaimer: Ein Platz bei den Tastings wurde uns netterweise kostenfrei von der Berlin Beer Academy zur Verfügung gestellt.

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Biermeile 2014 – überfüllt, laut und vor allem schön voll.

Das 18. Internationale Berliner Bierfestival ist vorbei und selbstverständlich waren wir am Start. Als große Craft Beer Fans konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen, da das diesjährige Motto „Craft Beer – Handwerklich gebraute Bierspezialitäten“ hieß. Zu den verschiedenen Craft-Beer Sorten stellte der Veranstalter auch schon sehr weit vor dem Fest einen Newsfeed  auf der eigenen Homepage online. Interessierte konnten sich daher schon vorab wichtige Informationen zu den Brauereien und weiteres ansehen. Wer auf dem Festival eine Karte erstanden hat konnte auch die richtigen Stände um das „Motto-Bier“ nicht verpassen. Daher an der Stelle Hut ab, lieber Veranstalter. Denn diese waren schön auf der Karte als solche zu erkennen. Typisch für uns, hatten wir keine Karte und rannten Freitags Plan- und Ziellos los und wunderten uns warum die Stände nicht Markiert sind, wenn es doch schon das Motto ist. Auf dem Handy haben wie die Markierungen wohl übersehen. 

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Freitag ging es also vom Frankfurter Tor los ins Getümmel. Erschlagen von der puren Masse an Ständen haben wir erleichtert durchgeatmet, als wir nach ca. 5-10 Minuten den Stand von Fuller’s fanden und vor der ersten Wahl des Tages standen. Hannes‘ erste Wahl war das ESB by Fuller, Smith & Turner, während meine Wahl auf ein leckeres Oyster Stout gefallen ist. Weiter gings durchs Getümmel und bis wir die nächsten für uns interessanten Stände ausmachen konnten, vergingen bestimmt noch mal gute 20 Minuten. Aber dann hatten wir Sie auch schon gefunden: Den Stand der Berlin Bier Academy und Derer Import GmbH  🙂 Bei Derer handelt es sich um den aktuell größten deutschen Importeur von Craft Beer. Wer oder was die Berlin Beer Academy ist, haben wir ja schon hier erläutert. Also angekommen und gleich mal ein Bier bestellt. Schon da war uns klar, dass wir bei der Auswahl an den beiden Ständen sicher nicht groß weiterziehen müssen. Aus dem Grund haben wir uns einen Satz Bierbänke geentert, welche sich dann mit Freunden und Bekannten füllten und den Abend abrundeten.

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Der Samstag begann mit einem Tasting der Berlin Beer Academy mit Silvia Kopp, an dem wir am Samstag Vormittag teilgenommen haben. Keine neue Erfahrung denn auch schon bei den Donnerstag zuvor waren wir unter den Teilnehmern, aber es ist immer sehr interessant. Über die Tastings berichten wir aber noch mal separat. Den Rest des heissen Samstag haben wir dann tagsüber zuhause verbracht und uns erst wieder am Nachmittag auf den Weg zur Biermeile gemacht. Diesmal sind wir eine U-Bahn Station weiter gefahren (Weberwiese) und sind auf der Biermeile weiter Richtung Straußberger Platz. Wer nun auf die Karte schaut und daran denkt, dass wir wegen dem Craft Beer da waren wird sehen, dass das ein Fehler war. 😛 Unterwegs einen Bierstand nach dem anderen begutachtet aber keiner hat uns irgendwie verleitet was zu trinken. Bis wir an den Stand der Brauerei Kundmüller kamen der nicht nur durch einige witzige Schilder mit Aufschriften wie z.B.: „Hier schenkt der schönste Brauer in NRW aus“ sondern auch dadurch, dass das Weiherer Kellerbier direkt vor den Augen abgefüllt wird. Und das mit der laut der Brauerei ältesten und kleinsten mobilen Abfüllanlage, die noch in Betrieb ist.

Das animierte uns dann dem Keller Bier eine Chance zu geben und…. naja. Meins war es leider nicht und auch Hannes war nicht allzu begeistert. Wenige Meter weiter fanden wir dann das für einen warmen Tag erhoffte und sehr angenehme Hoegaarden Witbier by Brouwerij van Hoegaarden. Ein leckers Witbier, dass ich euch echt empfehlen kann. Auf dem weiteren Weg durch das Festival war dann vorerst nichts mehr was uns  interessierte. Wir haben dann nur noch ne kurze Pause (ohne Bier) an den Ständen von Berliner Kindl gemacht um Cultus Ferox noch einen Moment zu lauschen, die gerade dort Ihre Melodien zum Besten gaben. Craft Beer war wie man sieht an dieser Seite des Festivals rar und wir wollten uns schon mit dem Gedanken, wir müssen wieder durch die Masse zurück, abfinden.  Aber mit Glück im Unglück fanden wir den Stand vom Haus der 131 Biere aus Hamburg. Der Abend war gerettet, denn auch die hatten einiges an Craft Beer im Angebot.

Als Randbemerkung: sehr Positiv fand ich die Vielzahl an Toiletten. Denn das viele Bier will ja auch mal wieder raus. Die Schlangen die sich bildeten waren recht überschaubar. Ich muss denke ich keinem erzählen dass „Dixie-Klos“ gerade bei den Temperaturen und der hohen Frequentierung nur was für hartgesottene und Apnoe Taucher sind. Aber es gab ja auch noch Toilettenhäuschen und -wagen. Hier kostete das Verrichten der Notdurft zwar 50 Cent aber dafür wurden diese regelmäßig gereinigt, was sich auch in einem deutlich angenehmeren Geruch niederschlug. Für die Herren der Schöpfung standen Freiluft-Pissoirs entlang der Biermeile. Habe ich so noch nicht gesehen, aber das fand ich eine coole Sache. Das alles hat die Leute aber leider nicht davon abgehalten den Menschen, die direkt an der Biermeile Wohnen an die Hauswand zu pinkeln – egal ob Mann oder Frau. Das ist nichts neues, aber uns hat diese Selbstverständlichkeit mit der das gemacht wurde einfach aufgeregt. „Da ist nen Absperrband? Egal ich MUSS da jetzt hinpinkeln“…. Ohne Worte, denn 2 Meter weiter standen schon die nächsten Klos.

Preislich war die Biermeile insgesamt sehr hoch angesetzt. Ich weiß, dass ist auf solchen Festen normal, aber das Global Craft Beer Festival hat uns gezeigt, dass es auch anders geht. Auf der Biermeile kostete ein 0,25l Glas Bier um Schnitt, 3,50 – 4,50 EUR, Flaschen mit 0,33l teilweise bis zu 6 Euro – zuzüglich Pfand. Da purzelten die Euro nur so bei mir.

Die Kulinarischen Gelüste der Besucher kamen natürlich auch nicht zu kurz und ich denke bei der doch recht anständigen Auswahl an verschiedenen Buden wohl jeder Besucher etwas nach seinem Geschmack gefunden hat. Neben Bier und Essen gab es auch Musik. Laute Musik. Musik, die nicht nach meinem Geschmack war aber auch hier kann ich ein Auge zu drücken.Vielleicht habe ich die Acts ja auch nur verpasst, die ich gut gefunden hätte. So wie am Samstag Mittag Cultus Ferox. Aber die Lautstärke war auf Dauer schon eine Belastung.

Was mich an diesem Wochenende auch ein wenig verwundert hat: Da sitzen bei einem internationalen Bierfestival glatt Grüppchen mit einer Kiste Sternburger am Rand. Ok, werfe ich einen Blick in mein Portemonnaie verstehe ich das gut. Denn die Preise waren wie gesagt recht happig, wenn man sich dort längere Zeit aufhalten wollte. Außerdem tummelten sich doch unglaublich viele Leute an den Ständen und Bierbänken der großen Industrie-Brauereien. Da stelle man sich vor, dass Berliner auf ein internationales Bierfest gehen, auf dem es 2400 unikate Biersorten gibt und sich den ganzen Tag am Berliner Kindl stand rumtreiben, wo das Bier 300% mehr als im Spätkauf nebenan kostet. Aber egal, jeder geht ja mit einer anderen Intension auf ein solches Festival. Vielleicht genießen einige Leute ja auch nur die Stimmung usw.

Das waren also unsere Erfahrungen, Kommen wir zum Fazit:

Wie schon oben erwähnt war es voll, laut und wenn man sich durch die Menschenmassen über das Gelände begeben wollte, wurde man aufgrund der zu dicht an einander platzieren Bühnen teilweise von zweien gleichzeitig mit furchtbarem Gedudel penetriert. Absolut nicht meins. Da wir aber das Glück hatten an beiden Abenden gleich Stände mit einer guten Auswahl an für uns interessanten Bieren zu finden, brauchten wir uns dem Martyrium „In-Massen-über-das-Festival-schleichen“ nur einmal zu geben. Alles in Allem hat der Veranstalter sich mit dem Fest aber viel Mühe gegeben. Ich weiß nicht, ob es in Berlin die Möglichkeit gibt, aber vielleicht sollte man mal über eine andere Location mit mehr Platz nachdenken.

Insgesamt hat es aber auch Spaß gemacht und die Biermeile sollte man mal gesehen haben. Man sollte halt nur gute Nerven und vor allem keine Platzangst haben.

Achso, für die die sagen, dass große Menschenansammlungen und Alkohol auch immer Ärger mit sich bringen. Auch auf diesem Festival, wie auch auf dem kleineren Berlin Craft Beer Festival und dem Global Craft Beer Festival, habe ich nichts davon mitbekommen, dass es irgendwie zu großen Schwierigkeiten oder Gewalt gekommen wäre.

 

Craft Beer Days 2014 in Hamburg

Kurz notiert für die Hamburger: Am 23. und 24.08.2014 finden in Hamburg die Craft Beer Days 2014 statt. Genauer gesagt in den Schanzenhöfen im Hof des Braugasthaus „Altes Mädchen“.

Insgesamt werden 16 Brauereien vor Ort sein und 76 Biere zur Verkostung anbieten.
Der Eintritt liegt bei günstigen 3 Euro, dazu kommt noch der Glaspfand mit 5 Euro (professionelle tasting Gläser) und natürlich das Bier mit 1 Euro pro 0,1l. Ob man nur Probiergrößen von 0,1l oder gleich ein „ganzes“ Bier mit 0,3l nimmt kann man selbst entscheiden.

Mit dabei sind unter anderem die Brauereien Ratsherrn, Schoppe Bräu, Braukunstkeller oder auch Maisel.

Alle Infos zu den Craft Beer Days findet ihr direkt beim Veranstalter „Altes Mädchen“

Letztes Jahr war ich auch auf den Craft Beer Days Berlin. Sehr gutes Bier und eine gute Stimmung, kann es daher nur empfehlen dort mal vorbei zu schauen wenn ihr aus der Nähe seid.

Noch kurz und knapp die Daten:

Craft Beer Days 2014
Wann:

Sa, 23.08.2014 (14-23 Uhr)
So, 24.08.2014 (10-18 Uhr)

Wo:
Schanzenhöfe / Altes Mädchen
Lagerstr. 28b
20357 Hamburg St. Pauli

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Das Deutsche Reinheitsgebot – Yey or Ney? [Kommentar]

Ich glaube es gibt aktuell kaum ein kontroverser diskutiertes Thema in der deutschen Bierlandschaft, als das Reinheitsgebot. Die einen sehen es als unumstößliche Institution an, fast schon als Heiligtum der Biergeschichte. Beiträge und Kommentare dazu sprießen derzeit an allen Ecken des Internets hervor, wie z.B. auch bei der Huffington Post DE. Gerade die alteingesessenen Brauer und Brauereien wettern gegen Craft Bier und „die Folgen der Missachtung des Reinheitsgebots“. Es wird gar die Apokalypse heraufbeschworen, wenn man nicht nach dem Gebot braut. Die anderen sehen es als obsolet an, als Relikt aus längst vergangenen Tagen, das nicht mehr zeitgemäß ist. Wieder anderen ist es schlicht egal, Hauptsache es schmeckt.

Aber fangen wir ganz von Vorne an: Was ist das Reinheitsgebot überhaupt und woher kommt es? In Kurzform gibt es zwei Gründe dafür. Zum einen sollte verhindert werden, dass gepanschtes Bier ausgeschenkt wird, was nur durch Regulierung der Zutaten möglich war. Zum anderen sollten sich aber auch die Brauer und die Müller nicht in die Quere kommen, insbesondere nicht nach einem Jahr mit schlechter Ernte. Daher stammen auch die vorgegebenen Zutaten Wasser, Hopfen, Malz. Natürlich steckt noch viel mehr Geschichte dahinter, denn es durchlief viele Entwicklungen, Veränderungen und galt eigentlich gar nicht für Deutschland, sondern nur für Bayern. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es zum „Deutschen Reinheitsgebot“ erklärt, zuvor war es lediglich das Bayrische Reinheitsgebot bzw. ein Teil der Bayrischen Landesverordnung. Aber darum geht es hier ja an sich nicht. Die Geschichte kann sich jeder interessierte z.B. auf Wikipedia durchlesen. Aber wenn ich schon höre, wie manch einer sich auf den „500. Geburtstag“ des Reinheitsgebot freut.. sorry Leute, so alt ist es noch nicht. In 400 Jahren reden wir dann noch mal darüber.

3954595841_5f52af371f_oPhoto by Joel Bez on Flickr || CC BY 2.0

Natürlich könnte man jetzt darauf rumreiten, dass die Brauer sich ja an die alte Verordnung von 1516 halten… oder an die Münchner Verordnung von 1478… aber mal im Ernst… wer glaubt bitte daran? Denn laut dem ursprünglichen Gesetzt darf auch keine Hefe beigefügt werden. Die kannte man damals nämlich noch nicht, bzw. war es einfach nicht bekannt, was das genau ist und was sie im Bier macht. Enthalten war sie natürlich trotzdem.

Der Punkt ist ja, dass wir heutzutage eine solche Regulierung nicht mehr brauchen. Jedes Getränk, das im Laden landet, durchläuft eine Lebensmittelprüfung und wird dabei eingehend untersucht. Würde also ein Brauer panschen, würde das Ergebnis daraus nie im Laden landen. Zudem wurde das Reinheitsgebot bereits nahezu vollständig durch das Biersteuergesetz und die Bierverordnung abgelöst. Beide Regelungen sind aber lange nicht mehr so streng wie früher. Einzige Ausnahme sind hier untergärige Biere wie z.B. Weissbier bzw. Weizen – hier gibt es noch recht strenge Auflagen.
Außerdem haben wir mittlerweile, zumindest in den reicheren Ländern, keine Probleme mehr damit dass sich die Müller und Brauer in die Quere kommen – es sind genügend Rohstoffe zu jeder Jahreszeit vorhanden. Den Punkt können wir also auch streichen, wenn es darum geht, ob das Reinheitsgebot noch einen Sinn hat.

Soweit zu den Fakten. Und was denke ich nun darüber? Ganz simpel: Ich halte es für überholt, sinnlos in unserer Zeit. Es war einmal Sinnvoll und sogar notwendig, doch das ist schon lange vorbei. Die Lebensmittelkontrollen, die teils extrem Hohe Qualität der Zutaten und die deutlich besseren Brautechniken gegenüber früher machen es schlicht obsolet. Es wird hauptsächlich noch von den größeren Brauereien als Marketing Instrument genutzt, um den Kunden eine höhere Qualität vorzugaukeln. Doch auch dort wird schon längst nicht mehr nach dem Gebot gebraut. Zusatzstoffe zur Klärung des Biers, zur besseren Schaumbildung, und so weiter werden dort auch schon seit langem eingesetzt. Das ist nichts schlimmes, aber eben auch nicht dem ursprünglichen Gebot entsprechend.

Es hat auch einfach den Prozess der Bierentwicklung in Deutschland verlangsamt, wenn nicht sogar gestoppt. Wir haben eine jahrhundertealte Biertradition in Deutschland, trotzdem hängen wir mittlerweile hinterher was die Vielfalt angeht. Eine Hand voll Biersorten hat sich festgesetzt, die nahezu alle gleich schmecken. Nicht die Sorten untereinander – ein Bock ist natürlich anders als ein Pils – aber wenn ich zwei verschiedene Industrie-Pils trinke ist beides die gleiche gelbe Plörre. Keiner der großen traute sich aus der Reihe zu tanzen, mal was neues zu probieren. Man könnte ja Kunden verlieren. Dabei ist der Deutsche ja prinzipiell „seiner“ Brauerei ähnlich treu wie seinem Fußballclub. Das einzige was sich in letzter Zeit entwickelte: Misch-Bier. Bier mit Cola, Energy-Drinks, Limonade, Saft, whatever. Kurzum: Furchtbares Zeug.

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Mongoliches Bier nach dem Deutschen Reinheitsgebot.. ist klar 😉

Und das, obwohl sich auch innerhalb des Reinheitsgebot hervorragendes und vor allem vielfältiges Bier brauen lässt. Bei mehreren tausend Hopfensorten, Hunderten Malzsorten und zig verschiedener Hefen kann man wunderbar variieren. Ein IPA z.B. kann problemlos innerhalb des Reinheitsgebot gebraut werden. Es kommt nur auf die Hopfenwahl und das Herstellungsverfahren an.

Und wisst ihr, was noch so alles zulässig ist laut „Reinheitsgebot“ (Biersteuergesetz)? Zucker, Farbstoffe, Polyvinylpolypyrrolidon (Ein Polymer zum klären des Bieres), und viele weitere.

Ich bin insgesamt sehr froh, dass es Craft-Brauer gibt, auf das Reinheitsgebot pfeifen und einfach ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Kürzlich hatte ich z.B. ein Kastanien Bier und es war äußerst lecker. Oder auch mit Früchten vergorene Biere statt sich eklig süßen Sirup in die Berliner Weisse zu kippen. Das Ergebnis ist weit besser und lange nicht so süß wie diese Panscherei mit Sirup oder Saft. Denn DAS ist wirklich panschen. Die Weisse hingegen direkt mit Hinbeeren zu vergären ist eine Kunst für sich und ganz sicher keine „Panscherei“, wie es manche heraufbeschwören.

Biere aus natürlichen Zutaten, egal ob nun ausschließlich Hopfen, Malz und Hefe oder mit Kastanien, Beeren oder Wildblumen gebraut, sind mir einfach deutlich lieber als Biere, denen irgendwelche Farbstoffe und Polymere beigesetzt wurden.

So, aber genug zu mir und meiner Meinung. Was sagt ihr zu dem Thema? Lasst mal hören!

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Vom Wedding nach Marzahn – Die Berliner Bierfabrik

Es ist keine Neuigkeit, dass beer4wedding sich in der Alten Börse Marzahn eine Brauerei einrichtet und inzwischen unter dem neuen Namen Berliner Bierfabrik braut. Aber die angepeilte Eröffnung im August 2014 steht ja nun vor der Tür und daher möchten wir als Berliner natürlich noch mal auf die Mädels und Jungs ein wenig genauer eingehen. 

 

 

 

Alles nahm seinen Anfang als die 3 Studenten Sebastian Mergel, Andre Schleypen und Julian Schmidt, angelockt durch den Studiengang Brauerei- und Getränketechnologie, nach Berlin kamen. Denn diesen Studiengang gibt es lediglich in München und Berlin. Wir freuen uns, dass die drei sich für Berlin entschiedenen haben und Ihre neue Heimat im Wedding fanden. Angetrieben von dem Wunsch Biere zu entwickeln die abseits des Reinheitsgebotes und individueller als Becks, Berliner Pilsener und Co. sind, begannen Sie Ihren Hopfen auf dem Balkon zu pflanzen und Ihre eigenen Bierrezepte zu kreieren. Da der Platz auf dem Balkon allerdings nicht ausreicht um größere Massen zu brauen, arbeitet beer4wedding mit anderen Brauereien hier in Berlin und der Klosterbrauerei Neuzelle zusammen, wo die Biere nach den Rezepten der drei gebraut werden. Folgende Biere sind von dem Kreativ-Trio bisher erhältlich:

 

Das Wedding Pale Ale ist ein Indian Pale Ale das aus aus sechs verschiedenen Malzen und sieben verschiedenen Bitter- und Aromahopfen sowie Reis gebraut wird.

 

Das Rotbier  wird aus normalem Pilsener Malz und drei Spezial Malzen gebraut (Carared, Melanoidinmalz und Caraamber).

 

Das Schabrackentabier ist ein Pale Ale das aus 6 verschiedenen Hopfen und 7 verschiedenen Malzen gebraut wird. Das Schabrackentabier wurde erstmals 2013 auf dem Braufest in Berlin Friedrichshain vorgestellt.

 

Aber das ist nicht alles, dass auf dem Braufest in Berlin vorgestellt wurde. Sondern auch das neue Logo der Berliner Bierfabrik. Zudem bekam das Team durch Sandra „Sanni“ Penack auch inzwischen eine feste weibliche Unterstützung. Der anstehende Umzug nach Marzahn und somit weg vom gypsy brewing* sowie die Vergrößerung des Teams sind sicherlich auch der Anlass für die Umfirmierung zur Berliner Bierfabrik gewesen. Aktuell ist uns leider noch nicht zu den geplanten Kapazitäten der neuen Brauerei bekannt, aber wir werden schauen, dass wir einfach mal dort reinschneien und uns umsehen. 🙂 Wir hoffen sehr, dass alles nach Plan läuft und die Brauerei diesen Monat Ihre Pforten öffnet.

 

Wir möchten der Berliner Bierfabrik an der Stelle alles Gute für die Zukunft wünschen und freuen uns schon jetzt auf die kommenden Kreationen.

 

*Ein gypsy brewer hat keine eigene Brauerei, sondern nutzt freie Kapazitäten von anderen Brauereien.

 

Top Picture: Quelle: BBF Berliner Bierfabrik GmbH | Foto: Patrick Albertini